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Projektdurchführung

Das Erasmus-Projekt „Sport und Spiele – früher und heute“, welches wir gemeinsam mit dem CSG Winsum durchführen, ist am 01. September 2015 gestartet. Es handelt sich hierbei um ein zweijähriges Projekt, in dem unterschiedliche Ziele verfolgt werden. Zu den wichtigsten Zielen zählen das Überwinden signifikanter Nachteile unserer Schülerinnen und Schüler (SuS) (sozial, emotional und kognitiv), das Kennenlernen des „anderen“ sowie eine Unterrichtsbereicherung in beiden Schulen.

Vor dem Projekt gab es bereits viel Kontakt zwischen den beiden Schulen. In 2014 haben die Schulen schon einmal einen Erasmus-Antrag gestellt, der leider abgewiesen wurde. Um dennoch gemeinsam an einer Partnerschaft weiterzuarbeiten, wurden im Verlauf zwei eintägige Austausch-Begegnungen durchgeführt: eine in Winsum (Dezember 2014) und eine in Bersenbrück (Juni 2015). Aus der Tatsache, dass beide Schule motiviert weitergemacht haben, wird deutlich, dass beiden Seiten viel daran gelegen ist, zu einem guten Austausch zu kommen.

Der ursprüngliche Erasmus-Antrag wurde daher überarbeitet, angepasst und dann in 2015 erneut eingereicht. Vor der Antragsstellung haben wir gemeinsam mit unserer Partnerschule aus den Niederlanden überlegt, wie wir unsere Schüler bestmöglich auf ein „europäisches“ Leben vorbereiten können. Es war uns wichtig, unseren Schülern, die vorwiegend einen Hauptschulabschluss erwerben und oftmals auch einen Migrationshintergrund haben, eine gute Grundlage zu geben, die über das schulische Lernen hinausgeht. Kernthemen im Alltag beider Schulen sind Berufsorientierung, Lernen mit Neuen Medien und das handwerkliche Arbeiten. Daher lag es auf der Hand, unser Projekt in den Großbereich „Sport und Spiele“ einzugliedern und dabei Aspekte der zuvor genannten Schwerpunkte spielerisch zu integrieren. Das Projekt sollte dafür in vier Blocks eingeteilt werden:

C1: Kennenlernen

C2: Sport und Spiele früher

C3: Sport und Spiele heute

C4: Sport und Spielen mit Handicap

Nach einem Jahr Projektlaufzeit haben wir die ersten beiden Blöcke (C1 und C2) bereits erfolgreich absolviert, die Themenblöcke C3 und C4 sind für den Durchgang im Schuljahr 2016 / 2017 geplant.

Zur Vorbereitung auf C1 und C2 wurden zwischen den beteiligten Lehrern schon drei Vorbereitungstreffen durchgeführt (Länderübergreifende Projekttreffen). Zwei dieser Treffen fanden in der niederländischen Schule, das andere in der deutschen Schule statt.

Im Anschluss an diese Projekttreffen der Lehrer gab es auch schon zwei austauschbasierte Lernaktivitäten der Schüler – das erste in den Niederlanden („Kennenlernen“) (C1 im Dezember 2015). Vor diesem Treffen haben sich die SuS schon über z.B. Facebook kennengelernt. Durch Kennenlernspiele, Gruppenaufgaben und gemeinsame themenbasierte Exkursionen konnten sich die SuS dann während der Lernaktivität noch besser kennenlernen. Zum ersten Mal waren die SuS in der Lage, über einen längeren Zeitraum eine Fremdsprache (Englisch oder Deutsch) konkret anzuwenden. An diesem Treffen konnte der gesamte 8. Jahrgang der niederländischen Schule sowie ein paar deutsche Schüler mehr als beantragt teilnehmen.

 

Das zweite Treffen fand dann in Deutschland („Sport und Spiele früher“) (C2 im April 2016) statt. Auch hierbei konnte (mit Unterstützung durch einen finanziellen Beitrag der Eltern) wieder der ganze niederländische Jahrgang teilnehmen. Auch auf deutscher Seite war die Zahl der Teilnehmer auf 18 angestiegen.

 

Auf Grund schulorganisatorischer Bedingungen sind wir bei der örtlichen Einteilung der Lernaktivitäten von der im Antrag beschriebenen Planung abgewichen (NL -> D anstatt D -> NL). Der Rhythmus der räumlich abwechselnden Lernaktivitäten wird jedoch beibehalten. Damit beide Schulen beide Jahreszeiten im Partnerland kennen lernen können, wird die nächste Lernaktivität wieder in Deutschland stattfinden. Wichtig war für beide Partner, dass die Schüler die Gegenseite einmal im Sommer und einmal im Winter erlebt, um möglichst vielfältige Angebote organisieren zu können.

Alle Ziele sind im Blick und werden auch in der zweiten Projekthälfte verfolgt. C1 und C2 sind antragskonform ausgeführt worden, im zweiten Projektzeitraum stehen noch folgende Bausteine an:

  • Nächste Woche: „Sport & Spiele heute“ (C3)
  • Abschlusswoche: „Sport & Spiele in der Zukunft“ (C4)

 

Zur Vorbereitung von C3 haben sich die Kollegen unlängst (19.09.2016) in Winsum getroffen. Die Lernaktivität C3 wird am 28. November beginnen. In Winsum geht es dann im Mai 2017 weiter.

 

Bei der Planung und Durchführung des Projekts gestaltete sich vor allem das Finden von gemeinsamen Terminen (sowohl für die Vorbereitung als auch für die Schülerbegegnungen und Job-Shadowing) schwierig. Dies lag an den teilweise sehr unterschiedlichen Ferienzeiten als auch an weiteren schulischen Veranstaltungen (wie z.B. Praktikum), von denen unsere Schüler oder die Kollegen unmittelbar betroffen waren. Daneben befinden sich beide Schulen in einem Umschwung und Wandel, was weitere Kapazitäten neben der europäischen Fokussierung bündelt. Das bedeutete im Umkehrschluss, dass es ggf. nicht ganz leicht war, entsprechende Lehrer-Kapazitäten frei zu stellen oder Erasmus die notwendige Priorität einzuräumen. Dies hatte zur Folge, dass größer angelegte Projektergebnisse wie die gemeinsame Website noch nicht vollständig abgeschlossen werden konnten. Hier hat man sich auf eine Fokussierung für die zweite Projekthälfte verständigt. Auf Seiten der Schüler waren Berührungsängste vorhanden (durch u.a. nicht gleich große Gruppen, pro Schuljahr eine neue Gruppe, etc. Durch die schulischen Gegebenheiten wird eine Annäherunge nur zeitlich begrenzt möglich. Dies soll im weiteren Verlauf – wie schon genannt – u.a. durch die Implementierung von eTwinning besser aufgefangen werden.

Durchgeführte Aktivitäten

  • Erstellung und erste Einrichtung der Projektwebsite spoga.eu
  • Erstellung von digitalen Steckbriefen der SuS, die im Vorfeld der Lernaktivitäten genutzt werden, damit sich die SuS vorab schon kennenlernen und etwas Scheu vor der ersten Begegnung genommen wird (Hier wäre eine Implementierung in die Website wünschenswert, war technisch jedoch noch nicht ausgereift. Auch der Wunsch, eTwinning verstärkt für vorbereitende Aktivitäten nutzen zu wollen, ist u.a. aus technisch-organisierten Gründen noch nicht umgesetzt worden. Hier haben sich die Projektpartner beim Treffen am 19.09.2016 darauf verständigt, dies vor dem nächsten Treffen einzusetzen.)
  • Einrichtung einer gemeinsamen Facebook-Seite mit der einfachen Möglichkeit, Fotos, etc. hochzuladen und zu teilen (auch durch die SuS). Ein Kennenlernen wird hierdurch zusätzlich erleichtert, da Facebook eine andere Attraktivität für die SuS hat als eTwinning.)
  • Erstellung und Durchführung von Spielanleitung, die in der zweiten Projekthälfte nach und nach auf die Projektwebsite gestellt werden. (Die Spiele mussten erst erprobt und die Beschreibungen anschließend angepasst werden. Positiv hervor zu heben ist die Tatsache, dass die SuS viel verschiedene Anleitungen selbst erstellt haben, sich gegenseitig vorgestellt haben und dies nach „Spielen früher“, „Brettspielen“, „Konsole-Spielen“, etc. sortiert haben.)
  • Durchführung von großen Sportevents jeweils am Anfang der Lernaktivität als sportlich-spielerischer Auftakt der gemeinsamen Woche. Hierbei wurde immer auch der ganze Jahrgang der jeweiligen Schule beteiligt, so dass nicht nur die Erasmus-Gruppen vom Projekt profitieren konnten, sondern immer auch deren Mitschüler. Hierdurch konnte das größere Ziel des kulturellen Austausches, dessen Erfolg nicht einfach objektiv zu messen ist, gut erreicht werden (u.a. nachweisbar durch immer noch bestehende WhatsApp-Kontakte, etc. von Schülern, die nicht Teil der eigentlichen Austauschgruppe waren.)
  • Aktive Auseinandersetzung mit der gemeinsamen NS-Geschichte (basierend auf lokalen Bezügen zur Familie van Pels aus Gehrde, dem Nachbarort der deutschen Schule): Vorbereitung in den jeweiligen Schulen im Vorfeld der Lernaktivität. U.a. dann gemeinsamer Lern-Besuch des Anne-Frank-Museums in Amsterdam und des Olympia-Stadions in Amsterdam -> Gewalt und politische Macht als bestimmendes Kriterium im größer zu verstehenden Rahmen von „Sport und Spiele“ – insbesondere dem Aspekt „Sport und Spiele früher“)
  • Erste Auseinandersetzung mit gemeinsamer Durchführung sportlicher Aktivitäten aus verschiedenen Zeitepochen (Besuch des Olympia-Stadions in Amsterdam, Museumsdorf Cloppenburg, Hochseilgarten, Kletterwand, Hockey) (Dieser Aspekt wird in den nächsten beiden Lernaktivitäten noch vertieft.)
  • Whiteboard-Schulung einiger Schulung durch die niederländischen Kollegen: Hospitation im Unterricht, Nutzung des digitalen Whiteboards gezeigt bekommen, Diskussion über Für und Wider der Whiteboards (Die deutsche Schule hat anschließend die in den Niederlanden gesehenen „analogen“ Flügel am Whiteboard direkt bestellt.)
  • Einbeziehung benachteiligter SuS (finanziell, sozial), indem die Förderung durch Erasmus genutzt wurde, auch diesen SuS eine Teilnahme an der Lernaktivität zu ermöglichen (Teil-Sponsoring der Fahrt, Auswahl ebendieser SuS bei den austauschenden SuS)
  • Einbindung von weitaus mehr SuS als über Erasmus+ beantragt: auf deutscher Seite bestand die erste Gruppe, die in den Niederlanden war, aus 11 SuS, beim Rückbesuch in Deutschland kamen 50 niederländische Schüler und es waren 20 deutsche SuS am Kern der Woche beteiligt. Darüber hinaus wurden noch viele weitere SuS in die gemeinsamen sportlichen Aktivitäten eingebunden.
  • Kontakt der Sus über die Begegnungsfahrten hinaus (WhatsApp, Facebook, …).
  • kultureller Austausch: Essen, Gespräche, Freizeitaktivitäten -> die SuS haben ihr Blickfeld deutlich erweitern können, da die Lernaktivität z.T. die erste (Auslands-)Fahrt der SuS überhaupt war.

Projektmanagement

Beide Partner sind mit dem bisherigen Verlauf und der Zusammenarbeit sehr zufrieden. Auf Seiten der beteiligten Kollegen ist zu sagen, dass die gemeinsame Projektzeit von einer guten Kommunikation und einem regen Austausch geprägt ist. Hieraus ist ein freundschaftliches Verhältnis der Organisatoren entstanden, was die gemeinsame Arbeit deutlich erleichtert und als positive Erfahrung erlebbar macht. Auffällig ist, dass die gemeinsame Zeit in der Regel viel zu kurz ist. So stehen in der eigentlichen Lernaktivitäts-Woche kaum Zeitfenster zur Verfügung, Dinge zu besprechen oder gemeinsam perspektivisch zu planen.

Als Kommunikationsmittel wird in erster Linie der E-Mail-Austausch oder der kurzfristige Kontakt über WhatsApp genutzt. Auch dieses Verfahren kann ggf. noch über die gemeinsame Website optimiert werden. Alle Projektpartner bringen sich mit vollem Elan in das Projekt ein und sind stets an einem gelingen Austausch (im doppelten Sinne des Wortes) sowohl der Schüler als auch der Kollegen interessiert. So ist es nahezu selbstverständlich, dass Kollegen z.B. für die Durchführung und Organisation von Lernaktivitäten in der Partnerschule herangezogen und auch von den SuS vollständig akzeptiert werden.

Im Antrag haben wir regelmäßige und wechselseitige Finanzchecks (jeweils 1 im Quartal) beschrieben, um die finanzielle Durchführung des Projekts sicherzustellen. An diesem Baustein werden wir im nächsten Jahr weiter arbeiten, da die Umsetzung in der Praxis etwas schwierig war (Kontrolle durch die Schulleitung, etc.). Bislang erfolgte der gegenseitige Check erst nach Ablauf des ersten Jahres.

Folgende, bereits durchgeführte Aktionen fallen unter das Projektmanagement:

  • Austausch innerhalb der Schulen mit einzubeziehenden Kollegen
  • Finanzieller Rechenschaftsbericht und Eintragung der Aktivitäten im Mobility Tool
  • Absprachen treffen mit Schulleitung, Schülern, Eltern, etc.
  • Presse-Artikel veröffentlichen
  • Absprachen mit externen Partnern (u.a. Hockey-Club Winsum, Museumsdorf Cloppenburg)
  • Buchungen von Bussen, Zugtickets, etc.
  • Entwurf eines Curriculums für die Unterrichtsgestaltung „Sport und Spiele – früher“

 

Wie zuvor beschrieben, haben wir im letzten Jahr neben den beantragten SuS viele weitere SuS in die Projektdurchführung (im Speziellen während der Lernaktivitäten) einbeziehen können (u.a. der ganze Jahrgang beim Sporttag am ersten Tag der Lernaktivität). Dies war natürlich eine bereichernde Erfahrung, insbesondere für die SuS, die sonst keinerlei Austauscherfahrungen machen können oder in vorangehenden Schuljahren noch nicht machen konnten. Allerdings ist anzumerken, dass der Organisationsaufwand dadurch deutlich erhöht wird. Auch die Kosten steigen logischerweise stark an, wobei eine Ausdifferenzierung zwischen der Erasmus-Förderung und einem Eigenbetrag der SuS nicht immer ganz leicht war.

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